Nachdem hier ich bereits Fukuro-Obi und Nagoya-Obi vorgestellt habe, möchte ich mich heute dem Hanhaba-Obi widmen.
Hanhaba-Obis sind halb so breit wie Fukuro-Obis, also circa 15 cm
breit. Sie werden zu Komon-Kimonos und Yukatas (Baumwollkimonos für den
Sommer) getragen. Der Hanhaba-Kimono steht in der Formalität am
niedrigsten. Er ist ein Obi für Alltag und Freizeit.
Natürlich gibt
es auch beim Hanhaba-Obi Unterschiede in Qualität und Design. Es gibt
sie aus Baumwolle, Synthetik und natürlich Seide. Das Muster reicht von
ganz schlicht bis reich verziert mit Goldfäden. Vorallem bei Vintage
Hanhaba-Obis findet man sehr edle Muster.
Für Yukatas sind die
Hanhaba-Obis heutzutage oft aus Synthetik und haben ein zweiseitiges
Design. Außerdem sind sie oft sehr lang, um verschiedene hübsche Knoten
zu binden. Gerade für das Yukata-Kitsuke gibt es sehr viele verschiedene
Obi-Knoten, die sich auch mit der Mode ändern.
An meiner Kitsuke-Tussi habe ich einen gestreiften Hanhaba-Obi mit
Kenjou-gara-Muster zu einem gestreiften Hitoe-Kimono (einlagiger Kimono
ohne Futter) kombiniert. Der Knoten ist ein klassischer Bunko-Knoten.
Kenjou-gara
ist ein Streifenmuster welches, genauer betrachtet aus kleinen gewebten
Mustern besteht. Diese Muster stellen Symbole aus dem Buddhismus dar.
Wer genaueres wissen will der schaue hier nach.
Um mein Kitsuke noch etwas aufzupeppen, habe ich es mit einem
Obi-jime und einem Obi-dome ergänzt. Ein Obi-dome ist ein Schmuckstück
welches auf den Obi-jime gezogen wird. Der Knoten und die Bänder des
Obi-jime werden bei dieser Variante hinten im Obi-Knoten versteckt. Der
Obi-jime muss hier nichts festhalten. Das Ganze ist nur für die Optik,
weil´s schieh macht.
Gleich drei Wünsche auf einmal, erfüllen diese leckeren Ume-Bonbons von Lotte.
1. Leckerer Plaumen-Geschmack.
2. Tolle Verpackung mit Kimono drauf.
3. Leseübung fürs Japanisch lernen.
Ume (japanische Pflaumen) sind normalerweise salzig eingelegt und
werden zum Beispiel gern als Füllung für Reisbällchen, genannt Onigiri,
genutzt. Deshalb war ich gespannt, wie wohl Ume als Bonbon schmeckt.
Vielleicht auch salzig?
Tatsächlich ist der erste Geschmack, wenn man
ein Lotte-Bonbon lutscht, salzig, dann aber wird es süß und
fruchtig-säuerlich. In der Mitte des Bonbons findet man zum Schluß ein
Stückchen Ume, das wieder leicht salzig-säuerlich ist.
Ich finde das das Ganze einen etwas ungewöhnlichen, aber sehr erfrischenden, nicht zu süßen Geschmack hat.
In
der Packung finden sich neben den kleinen Bonbons auch zwei große
Kugeln für langen Lutschgenuß. Die haben mich übrigens irgendwie an den
Japanischen Horrorfilm "The call" erinnert.
Auf die Lotte-Bonbons aufmerksam geworden bin ich durch die hübsche
Verpackung. Wie auf dem Foto schon zu sehen, haben die Tüten je nach
Seasion verschiedene Kimonodesigns. Lotte hat eine hübsche Website, auf der man, wenn man des Japanischen mächtig ist, mehr über das Mädchen im Kimono erfahren kann. (Das Übersetzungstool von Google leistet hier ganz gute Dienste, man braucht nur etwas Fantasie für das Joda-Deutsch.)
Auf der Website kann man auch einige niedliche Desktophintergründe herunterladen.
Um meinen dritten erfüllten Wunsch zu erklären, sollte ich wohl
sagen, daß ich zur Zeit einen Japanisch-Grundkurs besuche. Als Folge
dessen versuche ich sämtliche japanischen Beschriftungen auf
Lebensmitteltüten und anderem zu entziffern, um mir die Schriftzeichen
einzuprägen. Ich war letzens ganz überascht, als sich auf der
Bonitoflocken-Kochanleitung aus den Schriftzeichen plötzlich das Wort
Dashi (Fischsud) bildetete.
Von unserem Kurzurlaub nach London wieder zurück, möchte ich zwei dort erstandene Bücher vorstellen.
London als Großstadt hat einiges an Touristenzielen für Japanfans zu
bieten. Zum Einen gibt es natürlich viele japanische Restaurants und
Japanische Läden, zum Anderen gibt es interessante Austellungen
anzuschauen.
So hat das Victoria & Albert Museum einen Japanischen Austellungsbereich mit Lackwaren, Netsuke und natürlich Kimonos.
In
Museen gehe ich besonders gern in die Buchläden, da es dort Bücher
gibt, die man sonst nicht so einfach findet. Also rein in den großen
Museums-Shop gleich am Eingang. Dort gab es aber nur Souveniers. Etwas
verwundert waren wir schon aus dem Museum raus, als ich mir dachte: es
lag in der Ausstellung ein Buch über Netsuke aus, also muss es das doch
auch zu kaufen geben.
Also wieder rein und nachgefragt. Es gibt
tatsächlich einen Buchladen etwas versteckt in einem Durchgang. Hat der
Lesewillige den gut getarnten Buchladen dann gefunden tun sich neue
Welten auf.
In diesem sehr gut ausgestatteten Laden gibt es ein ganzes Regal über Japan!
Nachdem
ich sämtliche Bücher durchgeschaut hatte, habe ich mich für drei (nur
drei!) entschieden. Zwei davon möchte ich hier zeigen:
In diesem Buch sind jahreszeitlich gegliedert, viele schöne, sehr
unterschiedliche Abbildungen versammelt. So finden sich Japanische
Holzschnitte, Kabuki-Plakate, alte Fotografien, moderne Foto-Kunst und
vieles mehr. Daneben ist sehr passend jeweils ein Haiku, ein Gedicht
oder Spruch abgedruckt.
Dieses Buch ist eines von der Sorte, welches
man an gut sichtbarer Stelle auslegen, jeden Tag eine Seite umblättern
und sich daran erfreuen kann.
Spring rainy season!
Talking together passing by,
Straw cape and umbrella
Yosa Buson
Frog and I
eyeball
to eyeball.
Kobayashi Issa
wisteria beans
let´s make a poem as
the result of flowers
Matsuo Basho
In diesem Buch geht es wie der Titel schon sagt, um die Anfänge der
Fotografie in Japan. Neben einem Einführungstext, der sich mit der
Entwickung der Fotografie in Japan beschäftigt, sind es vor allem die
Bilder, die beeindrucken.
Die Abbildungen zeigen verschiedene
Studioaufnahmen, Straßenszenen und Naturlandschaften. Das was mir daran
besonders gefällt, sind die sanften, pastelligen Farben der
nachkollorierten Aufnahmen.
Diese Farben geben den Fotos ein besonderes, nostalgisches Flair.
Natürlich
sind auch einige Fotos mit Frauen in Kimonos enthalten. Hier finde ich
die Art, wie die Kimonos getragen werden, interessant. Die Kimonos sind
viel lässiger gebunden und es sitzt nicht alles ganz akurat. Eben so,
denke ich, wie ein im Alltag permanent getragenes Kleidungstück aussehen
sollte.
Nachdem im Blog die Videos zum Thema Obi binden
eingestellt waren, habe ich gemerkt, dass ich das Pferd gewissermaßen
von hinten aufgezäumt habe. Deshalb habe ich einige, hoffentlich
anschauliche Videos herausgesucht.
Das erste Video zeigt die vielen Bestandteile, die für ein
komplettes Kitsuke gebraucht werden. Zuerst werden die Bestandteile für
das Binden des Obis gezeigt. Die kennen wir ja schon (siehe hier). Danach
wird der Kimono und der Unterkimono, genannt Juban, gezeigt. Das
Plastikband, welches in den Juban-Kragen (Eri) eingezogen wird, nennt
man Eri-Shin und macht den Kragen steifer und stabiler. Die
breiteren Gürtel heißen Date-Jime, die dünnen Koshi-Himo. Sie werden zum
Festbinden von Juban und Kimono benötigt. Danach folgt noch die
Unterwäsche unter dem Juban, genannt Hada-juban. Die gibt es einteilig
oder Ober- und Unterteil einzeln. Zum Schluss kommen noch Tabi (weiße
Zehensocken) dazu. Tabi für Frauen sind formal immer weiß. Es gibt
für zwangloses Kitsuke jetzt aber auch oft bunte Socken. Tabi werden
übrigens zuerst angezogen, dann erst der Juban und der Kimono. Sonst ist
es nämlich schwer noch runter zu den Füßen zu kommen, ohne die ganze
schöne Verschnürung zu ruinieren.
Jetzt kommen wir zum Anziehen des Juban. Hier wird deutlich, wozu
der Eri-Shin gebraucht wird. Der Kragen sollte im Nacken etwas abstehen,
aber nicht zuviel. Es sei denn man will eine Geisha spielen. Gebunden
werden Juban wie auch Kimono immer links über rechts, anderherum werden
in Japan nur die Toten gekleidet. Also Achtung! Hoher
Peinlichkeitsfaktor!! Der Kragen sollte nicht zu weit offen stehen.
Den Kragen in die richtig Postion zu bringen und ihn auch dort zu
behalten, ist das Schwierigste am Juban anziehen. Der an der Rückseite
befestigte Stoffstreifen dient dazu, den Eri im Nacken gespannt zu
halten.
Hierzu sei noch angemerkt, dass man beim Kimono anziehen am besten
dran ist, wenn man mit einer Figur ala Schneewitchen gesegnet ist. Da
wir Europäer eher zu Kurven neigen, empfehle ich einen Sport-BH zur
Bändigung des Busens. Manchmal tut auch ein Handtuch im Rücken zur
Verringerung des Hohlkreuzes gute Dienste.
Kommen wir nun zum eigentlichen Kimono anziehen. Die Falte, die an
der Hüfte entsteht, nennt man Ohashori. Damit kann die Länge des Kimonos
justiert werden. Die rechte Kimonoseite sollte mit der Körperseite
abschließen. Die Löcher unter den Armen dienen nicht nur der Belüftung,
sondern man kann durch sie durch greifen und den Ohashori von innen
glätten.
Der Klipp, mit dem der Kragen befestigt wird heißt Korin-Belt. Die
Falte, die auf der linken Kragenseite innen gebildet wird, ist sehr
wichtig, um den Ohashori flach zu halten. Die Mittelnaht am Rücken
sollte in der Mitte sein und der Stoff schön glatt am Rücken anliegen.
Zum Schluss wird das Ganze mit einem Date-Jime fixiert. Es ist wichtig,
hier ein breites Stoffband zu benutzen, da das Ganze dann viel besser
hält.
Ich hoffe, ich habe die Leserschaft heute mit diesem umfassenden Eintrag nicht über strapaziert. Allen, die jetzt zum Ausprobieren schreiten, wünsche ich viel Spaß und gute Nerven. Bitte am Anfang nicht verzweifeln. Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Ganz zum Schluss noch eine Bezugsquelle bei ebay. Man kann aber auch viel improvisieren oder selbst basteln/nähen
Zu gegebenem Anlass - es wird Herbst! - habe ich mal wieder die
Kitsuke-Tussi umgezogen. Ich werde demnächst immer mal ein zur
Jahreszeit passendes Kitsuke einstellen.
Hier also zu sehen: ein violetter Tsukesage mit Sagara-Stickerei und
passend dazu mit fast gleichem Motiv ein kaki-farbener Chuya-Obi.
Sagara-Stickerei wird, wie auf dem Detailbild zu sehen, aus lauter
kleinen Knötchen gefertigt. Auch hier bekommt man mal wieder den
Eindruck, dass bei den Handwerkern der Japanischen Textilkunst Genie und
Wahnsinn wohl nah bei einander liegen müssen.
Chuya-Obi bedeutet soviel wie Tag (Chu) und Nacht (Ya). Diese Art
von Obi kam in der Edo-Zeit auf und war ursprünglich auf der einen Seite
schwarz und auf der anderen weiß. Heute kennzeichnet dieser Name
Obi`s mit unterschiedlich gemusterten Seiten.
Meistens findet man Chuya
Obi´s mit einer gemusterten und einer glatt schwarzen Seite. Diese ist
meistens aus glatter glänzender Seide, die auch Shusu- Seide genannt
wird.
Ein Chuya-Obi ist eher ein informeller Obi. Ich würde sagen, er
liegt wohl im Rang zwischen Fukuro- und Nagoya-Obi.
Die Länge dieser
Obi-Art kann recht unterschiedlich sein. Je nachdem ist so ein Obi eher
wie ein Nagoya- oder ein Fukuro-Obi zu binden. Ich weiß allerdings nicht, ob man in diesem Fall die Länge mit Formalität gleichsetzen kann.
Bei diesem Kitsuke sind ja die Muster von Kimono und Obi quasi
gleich. Ich habe gelesen, dass man so etwas normalerweise nicht macht?!
Vielleicht hat irgend jemand von euch Lesern eine Meinung dazu?
Heute also Teil 2 in Sachen Obi. Das ganze Wissen darüber, wann ein Obi und zu welchen Kimono getragen wird, hilft alles nichts, wenn man nicht weiß, wie das gute Stück an den Körper zu basteln ist.
Deshalb habe ich zwei Videos bei youtube rausgesucht, die, wie ich finde, den Obi-Anlegeprozess sehr gut zeigen.
Das folgende Video zeigt das Anlegen eines Fukuro-Obis. Hier ist vor allem der erste Schritt zu beachten. Der Obi muss erst längs gefaltet werden, bevor er um den Körper gewickelt wird. Die dabei entstandene Falte sollte nach oben, also in Richtung Brust, offen sein, da sie dann mit der Obi-age versteckt wird.
Das kleine "Kissen", genannt Obi-makura, dient zur Auspolsterung des großen Otaiko-Knotens auf dem Rücken. Die Obi-age (der Seidenschal, der vorn zum Knoten gebunden wird) deckt dann das Obi-makura und die besagte offene Falte ab. Zum Schluss wird das Ganze mit einem Obi-jime (schmales Band) festgeschnürt. Der Obi-jime hält vor allem den untergeschlagenen Stoff des Obis, mit dem der Bogen auf dem Rücken gebildet wird (3:26 im Video).
Zum Vergleich jetzt die ganze Prozedur mit einem Nagoya-Obi. Hier ist das eine Ende schon auf die Hälte genäht, das Falten wird also schon mal eingespart. Der Obi-Knoten auf dem Rücken wird auch etwas einfacher gefaltet. Das heißt, es gibt nur eine Lage Stoff, die zum Otaiko-Knoten eingefaltet wird (ab 2:55).
Ich binde übrigens die Knoten immer vorn und schiebe den Obi-Knoten dann nach hinten. Das funktioniert recht gut, da man so sieht, was man da eigentlich macht. Außerdem sinkt so die Verrenkungsgefahr erheblich. ;)
Nach längerer umzugsbedingter Abstinenz komme ich endlich wieder mal
zum Schreiben. Bis alles wieder an seinem Platz ist nach so einem
Umzug! PUUHH!
In einem früheren Eintrag habe ich schon mal das Thema Obi
angeschnitten. Heute möchte ich das mal vertiefen. Neben den bereits
erwähnten Fukuro-Obis gibts es weitere Obiformen. Dazu gehören Maru-Obi,
Nagoya-Obi und Hanhaba-Obi.
Die Kitsuke-Regeln, für die Kombination von Kimonos und Obis sind wie folgt nach Formalität abwärts: (in etwa)
Maru-Obis wurden früher zu Tomesode und Homongi getragen, heutzutage sind sie vor allem Bestandteil des Hochzeits-Kimonos.
Fukuro-Obis trägt man zu Tomesode, Furisode, Houmongi, Tsukesage und Iro-muji.
Nagoya-Obis
werden vor Allem zum Komon-Kimono getragen, wenn der Nagoya-Obi
hochwertiger ist, zum Beispiel mit Gold gewebt oder bestickt ist, kann
er auch zum Tsukesage gebunden werden. Einfache Nagoya-Obis, welche
nicht gefüttert sind, (Hitoe-Obi: heißt soviel wie eine Lage Stoff)
können auch zu Yukatas getragen werden.
Hanhaba heißt soviel wie halbe Breite und wird zu Komon-Kimonos und Yukata gebunden.
Wie immer sind die Regeln umfangreich und kompliziert. So kann man
mit einem bestimmten Obi das Outfit aufwerten oder etwas bescheidener
gestalten.
Das Buch: "The Book of Kimono"
von Norio Yamanaka erläutert auf Englisch alles rund um die
verschiedenen Kimono und Obi-Arten. Auch die Geschichte und die
Herstellung von Kimonostoffen ist enthalten.
Ausserdem wird mit Abbildungen das Anziehen und Binden von Kimono und Obi gezeigt.
Demnächst werde ich nochmal genauer und mit Bildern auf die einzelnen Obi-Arten eingehen.